Alexander Wenzlik | Dionyzoé, Winter | © Sebastian Korp
Fotos: Alexander Wenzlik: Dionyzoé | © Sebastian Korp (3) 

15.–16. März 2024 | Schwere Reiter, München

Alexander Wenzlik:  

DIONYZOÉ

Ein Butoh-Tanz-Mythos

                                                                                    

PRESSEINFORMATIONEN

Schwere Reiter
Freitag, 15. März und Samstag, 16. März 2024 | 20 Uhr

www.asperformance.de | www.schwerereiter.de

Choreographie, Regie Alexander Wenzlik | Tanz Alexander Wenzlik, Mio Hagl, Leni Hagl | Film, Dramaturgische Beratung: Stephanie Felber | Film, Foto Sebastian Korp | Kostümdesign: Mirella Oestreicher | Schneiderin Rabia Darouiche | Maskenbau Peter Lutz | Licht, Projektion Christian Zeitler 

 

Dionysos: mächtiger, verführender und furchterregender Gott, gleichzeitig süchtig nach der Anerkennung, sowohl von seinen Götterkollegen als auch von Seiten der Menschen. Alexander Wenzlik nähert sich dem Mythos, indem er zentrale Prinzipien des Butoh mit Elementen aus Tanz, Film, Bühnenbild, Maske und Kostüm verwebt. Er wendet dabei verschiedene Methoden an, die u.a. auf den Begründer des Butoh, Tatsumi Hijikata, zurückgehen. Dabei entstehen in unterschiedlichen Körperregionen neue Bewegungsqualitäten, die im Auge des Betrachters zu fließenden Bildern werden. 

Dionysos ist verspieltes Kind, androgynes Wesen, Gestaltwandler, Sohn einer Sterblichen und eines Gottes, Opfer und Menschenzermalmer zugleich. Er steht wie keine andere mythologische Fogur für die Entfesselung und die Entgrenzung zum Ungezähmten. In der Antike flüchteten sich seine Anhänger*innen, die Mänaden, in die Natur, um dort durch die Beschwörung des Gottes aus ihren gesellschaftlichen Zwängen auszubrechen. Über 2000 Jahre später, in einer Gesellschaft zwischen Selbstoptimierung, Regelkonformität und Krisenbewältigung, ist der Drang, aus Zwängen auszubrechen, Grenzen zu überschreiten und frei zu sein, unser dauernder Begleiter. 

Alexander Wenzlik | Dionyzoé, Winter | © Sebastian Korp

Bei »Dionyzoé« wird anstelle der wilden Natur der Körper, angetrieben von dionysischer Lust, zum Ort der Freiheit, des Spiels und des Experimentierens mit der Entwicklung von Qualitäten und Identitäten jenseits binärer Zuschreibungen. 

Inspiriert von Mary Wigmans Maskentänzen, Oda Schottmüllers mythologischen Masken und Lavinia Schulz‘ Ganzkörpermasken experimentiert Alexander Wenzlik mit den Möglichkeiten der Maske innerhalb seiner individuellen tänzerischen Formensprache. Er arbeitet mit einer Dionysos-Maske und mit Kostümen, die dionysische und mänadische Elemente unserer Gegenwart aufgreifen und gleichzeitig die antiken Vorbilder reflektieren. 

Die Natur spielt im Dionysos-Mythos eine zentrale Rolle. Dionysos wurde in der Natur, in der Höhle seiner Mutter geboren und verbrachte dort seine Kindheit. In dieser Höhle wurde er von den Titanen zerrissen und seine gekochten Glieder wurden in der Erde begraben, aus der er wiedergeboren wurde. Aus seiner Asche wurden die Menschen und die Weinrebe. Deshalb schien es Wenzlik unbedingt notwendig, einzelne Szenen in der Natur zu erarbeiten. So tanzt er z.B. das ritualisierte, im Winter »In-die-Berge-gehen« der Mänaden, selbst im Winter in den Tiroler Alpen. Diese Szenen werden als Filmsequenzen in den Abend integriert. Die Projektion multipler Überlagerungen von Tanzszenen verschmelzen mit dem real auf der Bühne tanzenden Körper. 

Alexander Wenzlik: Dionyzoé | © Sebastian Korp

Die Mitwirkenden

Alexander Wenzlik (Idee, Konzept, Tanz)
Alexander Wenzlik (geb. 1975) sucht in seiner Arbeit nach fruchtbaren Verbindungen des Butoh-Tanzes mit Elementen des zeitgenössischen Tanzes. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf der Frage, wie ein zeitgemäßer, europäisch verwurzelter Butohtanz aussehen kann, der sich einer zeitgenössischen Formensprache öffnet und in dieser Verbindung eine ganz eigene Bewegungssprache entwickeln kann. Von besonderem Interesse ist für ihn auch die Auseinandersetzung mit Themen der griechischen Mythologie. Seit 2012 entwickelt er allein und zusammen mit seinem Partner Seda Büyktürkler eigene Bühnenstücke, zuletzt 2017 das Solostück Sirene, das im HochX Theater und Live Art in München Premiere hatte. 

Neben seinen Projekten als Tänzer ist Alexander Wenzlik künstlerischer Leiter des Tanz- und Theaterfestivals Rampenlichter (www.rampenlichter.com). Seit 2009 leitet er das Jugendtanzensemble You Dance, mit dem er 2018 zum 5. Tanztreffen der Jugend der Berliner Festspiele eingeladen wurde. Seit 2016 unterrichtet er seine tänzerische Herangehensweise in Kursen und Workshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene unter dem Namen YouDance. YouDance steht für die Überzeugung, dass jede und jeder Einzelne eine ganz besondere und eigene Art zu tanzen hat, die es zu entdecken und zu entwickeln gilt (www.youdance.net). 

Von 2017 bis 2021 arbeitete er mit dem italienischen Butohtänzer Alessandro Pintus und einem internationalen Ensemble an dem künstlerischen Forschungsprojekt »Apocalisse Nova«, das 2020 im HochX in München und 2021 in Tuscania, Italien aufgeführt wurde. 

 

Stephanie Felber (Film/Projektion und dramaturgische Beratung) – www.stephanie-felber.de
Stephanie Felber entwickelt multimediale Inszenierungen, in denen sie Sehgewohnheiten hinterfragt, mit Räumen experimentiert und in einen offenen Dialog mit den Besucher:innen tritt. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch einen interdisziplinären und partizipativen Ansatz aus. Als Photo- und Videographin wirkt sie in Video-Tanz-Projekten mit, gibt Workshops zur Interaktion zwischen Tanz, Körper und Kamera und dokumentiert Performances der freien Szene (u.a. Meg Stuart, Ian Kaler, Anna Konjetzky, Stephan Herwig, Cristina Caprioli). 

 

Mirella Oestreicher (Kostüm und Bühnenbild) – www.mirellaoestreicher.de
Mirella Oestreicher arbeitete an den Münchner Kammerspielen im Bereich Bühne und Kostüm u.a. für Renè Pollesch, das Stadtprojekt »Bunny Hill« und Peter Kastenmüller. Sie studierte Bühnen- und Kostümdesign an der Universität der Künste Berlin. Seit 2008 arbeitet sie in der freien Szene in München, u.a. mit Jörg Witte, Philine Velhagen und Bülent Kullukcu, im Schwere Reiter mit Zufit Simons und als Bühnenbildnerin für Stephan Herwig. 2013 gründete sie zusammen mit Franziska Keune aus Berlin das Theaterkollektiv Autobahntheater. Damit produzierte sie einige eigene Produktionen, für die sie die Konzepte entwickelte und Regie führte. 2021 untersuchte sie in dem multimedialen, interaktiven Theaterstück »World Wo*Men«, einer deutsch-iranischen Koproduktion, wohin sich die Familie als Kernzelle der Gesellschaft entwickelt, wenn sich immer mehr Frauen und Männer in den traditionellen Konzepten nicht mehr wiederfinden. 

 

Peter Lutz (Maskenbau)
Peter Lutz studierte von 1992 bis 1996 an der Schauspielschule Ernst Busch in Berlin Puppenspiel. Noch während des Studiums erhielt er mit der Inszenierung »Weihnachten bei Iwanows« am Maxim Gorki Theater Berlin den Friedrich-Luft-Preis sowie mit »Die Maßnahme« den Max-Reinhardt-Preis beim Treffen der Schauspielschulen in Stuttgart. Als freier Puppenspieler und Puppenbauer ist er für verschiedene Theater tätig, u.a. für das Hans-Otto-Theater in Potsdam, das Theater Basel, das Staatstheater in Stuttgart, die Bayerische Staatsoper, das Residenztheater und Metropoltheater in München. Mit Julia Giesbert realisiert er als Giesbert&Lutz Familienstücke, wie im November 2023 »Die tapfere Schneiderin« (UA im HochX, München).