Hannah Schillinger JOAN 

Freitag, 31.7.2026, 20.30 Uhr
Samstag, 1.8.2026, 20.30 Uhr
Sonntag, 2.8.2026, 18.00 Uhr
Schwere Reiter, Dachauer Str. 114 a, 80636 München
Tickets: rausgegangen.de, Abendkasse oder maura@rtkulturbuero.de 

Choreografie, Konzept: Hannah Schillinger
Performance/Co-Choreografie: Eléonore Bovet, Julie Carrere
Sounddesign/Komposition: s.t3v
Lichtdesign: Vito Walter
Bühne&Kostüm: Lucy / Louis Caspar Schmitt
Dramaturgie: Jenny Mahla
Künstlerische Produktion: Laura Manz
Photos: Hanne Kaunicnik 

www.hannahschillinger.com

Jeanne d’Arc – queeres Bauernkind in Männerkleidern, visionär, stur, charmant, verrückt, zielstrebig, todesmutig, politisch, die einzige Frau im Heer, in Rüstung zu Pferde und kämpferisch bis zum Tod auf dem Scheiterhaufen: Hannah Schillinger erzählt die ambivalente Geschichte der Joan of Arc motivisch mit Performer*innen neu. 

Im deutschsprachigen Raum auch Johanna von Orléans oder Jungfrau von Orléans genannt, verhalf die 17-jährige Französin 1429 mitten im Hundertjährigen Kriegs zwischen England und Frankreich dem späteren französischen König Karl VII. zum Sieg über England und Burgund, indem sie das französische Heer anführte. Im Mai 1430 wurde sie bei der Belagerung von Compiègne von burgundischen Truppen gefangen genommen und an die Engländer ausgeliefert. Jeanne d’Arc wurde angeblicher Hexerei verurteilt und 1431 in Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Sie wurde zur französischen Nationalheldin und in der römisch-katholischen Kirche als Heilige verehrt. Stoff für Hoch- und Popkultur: Friedrich Schillers 1801 veröffentlichtes Drama „Die Jungfrau von Orléans“ wird bis heute gespielt. Vita Sackville-West brachte 1936 ein Buch über Johanna heraus, Künstler*innen 

und Aktivist*innen wie Monique Wittig, Madonna, Leslie Feinberg, Lidia Yuknavitch und Audre Lorde begannen über sie zu schreiben. Seit Jahrhunderten steht Johanna für die Diskussion um soziale Klasse, Geschlecht, Religion und Feminismus. Sie wollte nicht als Frau bezeichnet werden und trug männlich konnotierte Kleidung, ihren aktivistischen Auftrag erhielt sie nach eigenen Aussagen direkt von Gott. 

Was diese schillernde Figur bis heute relevant macht, betrachtet Hannah Schillinger in ihrer genre-übergreifenden Performance „JOAN“. Hannah Schillinger geht von Schillers Drama und queerfeministischen Perspektiven aus, verwebt zeitgenössische Einflüsse und erzählt die Geschichte mit drei Performer*innen durch Bewegung und Gesang sinnlich und kollaborativ neu. Wie können heroische und religiöse Gesten umgedeutet und rekontextualisiert werden? 

Hannah Schillinger arbeitet mit choreografischen Konstrukten, die sie „virtuelle Skulpturen“ nennt. Sie entwickelt Raumsysteme, die auf Prinzipien wie Superposition, Verschränkung, Unbestimmtheit und Gleichzeitigkeit basieren. Ihre Arbeiten bewegen sich fließend zwischen Tanz, Theater und bildender Kunst. Schillinger studierte Modern Theatre Dance an der AHK Amsterdam sowie Choreografie am HZT Berlin / HfS Ernst Busch. 

Zwischen 2022 und 2025 entwickelte sie eine Arbeitsserie, die sich mit ökologiebasierten Fragen rund um Nachhaltigkeit und Ressourcen beschäftigte. 2025 brachte sie ihr Stück „field work“ im August 2025 bei der Tanzwerkstatt Europa in München auf die Bühne. Darin stellt sie Fragen rund um körperliche Arbeit, soziale Klasse und Queerness in ländlichen Räumen und untersucht Verbindungen zwischen landwirtschaftlicher Feldarbeit und zeitgenössischem Tanz. 

In „Joan“ 2026 setzt sie sich mit einem Klassiker des westlichen Theater- und Opernkanons auseinander, weil sie in der gängigen Arbeit mit klassischen Stoffen choreografische und queerfeministische Auseinandersetzungen nach wie vor vermisst. 

www.hannahschillinger.com

Julie Carrere (no pronouns) ist Tänzer*in und Performer*in aus Frankreich und lebt derzeit zwischen Berlin und Nürnberg. Julies Arbeiten untersuchen Körper und Tanz als Mittel, um über deren soziale Situation und Beziehung zur Welt zu reflektieren. Beeinflusst von Pop- und Internetkultur, der eigenen Tanzgeschichte und oft eng mit Musik verbunden, entwickelt Carrere Choreografien, die Publikum aus vielfältigen Kontexten einbeziehen. Carrere schloss 2017 ein Studium am Conservatoire de Paris mit einem Diplom in Choreografie ab und erwarb 2022 einen Bachelor in Kulturvermittlung. Derzeit absolviert Julie den Masterstudiengang „Performative Praktiken – Live Art Forms“ an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Als Tänzer*in arbeitete Julie zuletzt mit Hannah Schillinger (2026), Cornelia Böhnisch und Katharina Schrott (2026, 2025) sowie Johanna Ryynänen (2025) zusammen. Deren choreografischen Arbeiten wurden in den Uferstudios (2024), beim Tanznacht Festival (2023), bei Molt (2023), bei P.A.R.T.S. (2023), im ada Studio (2023, 2022) und bei Hosek Contemporary (2022) präsentiert. 

https://juliecarrere.com/ 

Eléonore Barbara Bovet (dey, sie) ist Tanzkünstler*in und lebt in München. Eléonores Arbeit findet ihren Weg in Projekten an Schnittstellen zwischen Tanz, Bildender Kunst und Performance, u.a. für die Golden Lion-Preisträgerinnen der Biennale di Venezia La Ribot in „DIEstinguished“ und Lina Lapelyté in „Copper Lick“. Dey nahmen an Aufführungen in Münchner Aufführungsorten wie Haus der Kunst, Kunsthalle, Lothringer 13, Schwere Reiter, HochX und Muffathalle teil. Darüber hinaus tanzten dey in Emily Masts Stück „IFIF“ beim Dance First Think Later Festival 2024 (CH) und in der Opera „Of One Blood“, die derzeit an der Bayerischen Staatsoper zu sehen ist. Eléonore arbeitet und kooperiert mit in München aktiven tanz- und bildenden Künstler:innen wie Anna Konjetzky, Stephanie Felber, Nicola Kötterl, Matteo Carvone, Hannah Schillinger, Simona Andrioletti und Giulia Zabarella. Eléonores choreografisches Arbeit wurde zu mehreren Festivals eingeladen, darunter Fête de la Danse Neuchâtel (CH) und #Sieinspiriertmich (2023). 

Stevie Gunter (no pronouns) ist Künstler und Archivar, der in den Bereichen Sounddesign, Musikauswahl, Tätowierung und Illustration tätig ist. Jedes Artefakt dient als Spekulation über die Wahrheit hinter Erinnerung, Traum und Aufarbeitung. Als s.t3v manifestieren sie die Unberechenbarkeit klanglicher Energie mit einer Hingabe an den Groove jenseits aller Genres. Als body__file verwandeln sie das Sentimentale durch Tätowierungen ins Heilige. In projektbasierten Formaten arbeitend, tauchen sie in eine breite Palette von Genres und Medien ein, um Forschung, Dienstleistung und Erinnerung als Praxis zu balancieren. 

https://st3v.net/ 

Lucy/ Louis Caspar Schmitt (they/them) gestaltet Bühne, Kostüm und Video für Tanz, Theater und Performance. Schmitt arbeitet regelmäßig mit Choreograf*innen und Regisseur*innen in München, wie Hannah Schillinger, Tasha Hess-Neustadt und Fabian Riess, Quindell Orton und Jakob Altmeyer mit Premieren im Schweren Reiter, im HochX und im Akademietheater. Nach Anfängen im Videostudio des ZKM und dem Studium der zeitbasierten Medien in Mainz und Tallinn studierte Schmitt im Bachelor und Master Bühnenbild an der Universität der Künste Berlin, gefördert von der Studienstiftung des deutschen Volkes, mit einem Semester an der Ensad Paris. Schon während des Studiums fanden eigene Arbeiten im Theater Erlangen, Theater Münster, Kaserne Basel, Reinbeckhallen, Ballhaus Ost, Dock 11, Schwere Reiter, und Hoch X statt. Nach dem Abschluss in 2024 folgten Arbeiten am TOG, Hoch X, Staatsballett Berlin, Hebbel am Ufer und am Staatstheater Darmstadt. 

http://luxyluke.de/2024/ 

Vito Walter (er / ihm) arbeitet als freier Lighting Designer für darstellende Künste mit einem Schwerpunkt bei zeitgenössischem Tanz und Film. Er studierte Architectural Lighting Design und Stage Lighting Design in Hildesheim, Medellín und Lyon. Sein Interesse gilt dem Gestalten von Atmosphären, Räumen und Bildern sowie dem Einfluss von Licht auf Wahrnehmungen und Emotionen. Dabei betrachtet er das Medium Licht gerne als aktiver Performer. Er arbeitete u.A. mit Künstler:innen wie Hendrik Aerts, Kat Válastur, Jan Martens, Hannah Schillinger, Xenia Koghilaki, Emilie Gregersen, Daina Ashbee, Armin Hokmi und Robyn Orlin zusammen. 

https://www.vitowalter.com/ 

Laura Manz (sie / ihr) lebt und arbeitet als freies tanzschaffendes Chamäleon in ihrer Heimatstadt München. Während ihres Bauingenieurstudiums entschloss sie sich doch ihrer Leidenschaft dem Tanz nachzugehen und absolvierte gleichzeitig die Tanzausbildung an der Iwanson International. Seither tanzte und performte sie für verschiedene Theater und Choreograph*innen in Deutschland und international. Laura leitet außerdem mit Leidenschaft Tanz- und Bewegungsworkshops für Profis & Laien und unterrichtet Pilates. In den letzten Jahren hat sie begonnen, künstlerische Produktionsleitungen in der freien Szene Münchens zu übernehmen. Dabei kümmert sie sich nicht nur um Organisatorisches, sondern hat auch einen künstlerischen, dramaturgischen Blick auf die Projekte und kann aus verschiedenen Perspektiven Ideen einbringen. Laura ist auch als Autorin und Sprecherin für künstlerische Audiodeskription für Tanz tätig. Hier ist sie u.a. in engem Austausch mit Rykena/Jüngst und lernte auf ihrem Weg verschiedene blinde und sehende Künstler*innen kennen, die Audiodeskription als künstlerische Praxis verstehen und erforschen.